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Benno Parthier (1932-2019)

Benno Parthier wurde 1932 in Holleben geboren. Er studierte Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und promovierte 1961 bei Kurt Mothes zum Thema des pflanzlichen Stickstoff- und Proteinstoffwechsels. Von Institutsgründer und Leopoldina-Präsident Kurt Mothes erhielt Parthier bereits zu dieser Zeit entscheidende Impulse für seine weitere persönliche Entwicklung. Mit Beginn der 60-er Jahre bearbeitete er ein eigenständiges Forschungsgebiet zur Entstehung und Reifung von Chloroplasten. Seine Erkenntnisse auf diesem Gebiet waren bahnbrechend und mündeten damals in einer vielbeachteten Nature-Publikation. In den Jahren 1965/66 war Parthier Gastwissenschaftler am Wenner-Gren-Institut der Universität Stockholm. Dort etablierte er den Einsatz von Antibiotika zur Untersuchung der Proteinbiosynthese in verschiedenen Pflanzenzell-kompartimenten, was sich in den kommenden Jahrzehnten als wichtiges Instrument der Pflanzenphysiologie erwies. Nach seiner Habilitation leitete Benno Parthier von 1967 bis 1990 die Abteilung Molekularbiologie am damaligen Institut für Biochemie der Pflanzen (IBP). 1975 wurde er von der Akademie der Wissenschaften zum Professor für Molekularbiologie berufen.

Benno Parthier war bekannt für seine mitreißenden Vorlesungen und eloquenten Reden. Mit seiner geschickten und fundierten Anleitung der Studenten trug er wesentlich dazu bei, dass der Standort Halle für angehende junge Wissenschaftler attraktiv wurde. Dies führte auch dazu, dass 1967 an der MLU der Studiengang Biochemie erstmals an einer deutschen Universität eingeführt wurde.

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Wegweiser in der Chloroplasten-Biologie und Jasmonsäure-Forschung

Die Arbeiten seiner Abteilung zur Chloroplasten-Biogenese und -Differenzierung führten in den 70-er Jahren zu wegweisenden Ergebnissen in Europa. Er etablierte Euglena gracilis als Modellorganismus zur Untersuchung der Chloroplasten-Physiologie. Mit der Konferenz zur Regulation von pflanzlichen Entwicklungsprozessen im Jahre 1977 gelang es Parthier, eine der ersten internationalen Kongresse zu diesem Forschungsgebiet in Halle an der Saale durchzuführen: Angesichts der damaligen politischen Situation und der potenziellen Repressalien gegen ihn und das Institut, war dies ein schwieriges Unterfangen und setzte ein bedeutendes Zeichen für die Wissenschaftsfreiheit. Weitere internationale Tagungen sollten folgen. Ende der 80-er Jahre konzentrierte er seine Forschungsarbeiten auf die Jasmonsäure, eine neu entdeckte pflanzliche Signalsubstanz, von der man zunächst annahm, dass sie Hormoncharakter hat. Der Beweis dieser Hypothese erfolgte in den nächsten Jahren unter starker Beteiligung der Hallenser Pflanzenforscher, denen auch die erstmalige Isolation des neuen Pflanzenhormons gelang. Parthier und Kollegen beleuchteten dieses Gebiet umfassend und legten damit den Grundstein für die bis heute fortgeführte Erforschung des Phytohormons am Institut. Noch immer gilt das IPB als vielbeachtetes Zentrum der Jasmonatforschung weltweit.

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Wirken in der Wendezeit

In den unruhigen Zeiten der politischen Wende engagierte sich Benno Parthier stark für die Emanzipation des Instituts von der staatlichen Bevormundung. 1990 wurde er von der Belegschaft auf demokratischem Wege zum neuen Direktor gewählt. Ein Jahr später erfolgte seine offizielle Ernennung zum Gründungsdirektor des Instituts durch die Landesregierung des Landes Sachsen-Anhalt. In dieser Funktion oblag Parthier die schwierige Aufgabe, das Institut sicher durch die erste externe Begutachtung durch den Wissenschaftsrat zu führen und anschließend als beratendes Mitglied des IPB-Gründungskomitees die Empfehlungen des Wissenschaftsrates in Sach- und Personalfragen in die Wirklichkeit umzusetzen. Aufgrund der überregionalen Bedeutung seiner Forschungsarbeiten wurde empfohlen, das Institut in die Blaue Liste aufzunehmen, eine Wissenschaftsgemeinschaft, aus der später die Leibniz-Gemeinschaft erwuchs. Am 31.12.1991 wurde daher das Institut für Biochemie der Pflanzen (IBP) geschlossen und am 01.01.1992 unter neuem rechtlichem Status als Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) wieder eröffnet. Benno Parthier leitete das Institut von 1992 bis 1997 als Geschäftsführender Direktor und war Leiter der Abteilung Hormonforschung in dieser Zeit. 1993 wurde er Professor für Zellbiologie an der Martin-Luther-Universität, eine Berufung, die er bis zu seiner Emeritierung 1997 ausübte.

Neben der fachlichen Profilierung des Instituts hatte Parthier als Geschäftsführender Direktor auch in substanzieller Hinsicht sehr viel zu tun. Unter seiner Ägide wurde die veraltete Bausubstanz saniert, Büros und Labore nach neuesten Sicherheitsstandards eingerichtet und Computerarbeitsplätze geschaffen. Er leitete die Beschaffung von Großgeräten ebenso, wie den Neubau eines zusätzlichen Labor- und Gewächshaustraktes. Gleichzeitig wirkte er ab 1990 als Mitglied der deutsch-deutschen Kommission des Wissenschaftsrates an der Evaluierung zahlreicher weiterer ostdeutscher Akademie-Institute mit und hatte einen wesentlichen Anteil an der wissenschaftlichen und administrativen Eingliederung der ehemaligen DDR-Institute in das westdeutsche Wissenschaftssystem. Für seine Arbeit im Wissenschaftsrat erhielt Parthier 1997 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2007 den Hans-Olaf-Henkel-Preis für Wissenschaftspolitik der Leibniz-Gemeinschaft sowie 2018 den Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt. Außerdem war er Ehrenmitglied der Deutschen Botanischen Gesellschaft und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg.

Präsident der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Eng verzahnt war Parthiers Leben mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Aufgrund seiner hohen wissenschaftlichen Reputation wurde er bereits 1974, im Alter von 42 Jahren, als Mitglied in die damalige Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen. Von 1990 bis 2003 wirkte er als Präsident der Leopoldina und legte auch hier mit der Initiierung vielfacher Profilierungsmaßnahmen den Grundstein für die spätere Ernennung der Leopoldina zur Nationalakademie. Die Akademie ehrte ihn 2003 für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit der Cothenius-Medaille. Benno Parthier war Mitglied in zahlreichen weiteren Akademien der Wissenschaften. Er verstarb am 25. August 2019 im Alter von 87 Jahren.

Diese Seite wurde zuletzt am 18.02.2020 geändert.

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