Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie feiert 20-jähriges Gründungsjubiläum und 80. Geburtstag seines Gründunsgdirektors
Das Jahr 2012 wird für einige Institute auf dem Halleschen Weinberg ein Jahr der Jubiläen sein, denn ebenso wie das Fraunhofer- und das Max-Planck-Institut begeht auch das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum der Neugründung, die offiziell am 1. Januar 1992 stattgefunden hat. Seither hat sich das Institut als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft zu einer renommierten Einrichtung der Pflanzenforschung entwickelt und sich erfolgreich in der gesamtdeutschen Forschungslandschaft und auch auf internationalem Parkett etabliert. Die Festveranstaltung zum Jubiläum wird am 14. September stattfinden.
Der Jahreswechsel 1991/92 war für die Mitarbeiter des Institutes für Biochemie der Pflanzen (IBP) auf dem Weinberg in Halle ein besonderes Ereignis. 33 Jahre nach seiner Gründung wurde das Forschungsinstitut der ehemaligen Akademie der Wissenschaften, wie geplant, zum 31. Dezember 1991 geschlossen. Einen Tag später erfolgte seine Wiedereröffnung unter neuem Namen, als Institut für Pflanzenbiochemie (IPB). Mit dieser Neugründung war die Übernahme ins bundesdeutsche Forschungssystem, wie sie damals für viele Akademieinstitute der Ex-DDR vollzogen wurde, praktisch beendet. Ihr voraus ging eine Kette von umwälzenden Geschehnissen, an die an dieser Stelle noch einmal kurz erinnert werden soll.
Am 31. August 1990 wurde von beiden deutschen Staaten der Einigungsvertrag unterzeichnet, der in Artikel 38 die Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) vorschrieb. Demnach lag das Schicksal der Akademie-Institute mit Beginn der Deutschen Einheit in der Entscheidungsgewalt der neuen Bundesländer. Deren Wissenschaftsministerien hatten die Forschungseinrichtungen bis zum 31.12.1991 aufzulösen und sie ggf. einer neuen Rechtsform zu unterstellen. Der Wissenschaftsrat wurde beauftragt die Institute zu begutachten und den Landesregierungen Empfehlungen über das weitere Schicksal der ehemaligen AdW-Institute auszusprechen. Der Möglichkeiten gab es mindestens drei: Schließung, Angliederung an eine Universität oder Aufnahme in eine außeruniversitäre Forschungsorganisation.
Am 6. Februar 1991 erreichte eine Gutachterkommission des Wissenschaftsrates das IBP und begann mit dessen Evaluierung. Von den meisten Dingen, die die Gutachter in den hiesigen Laboren sahen und aus den Gesprächen mit den Mitarbeitern erfuhren, waren sie sehr angetan, aber es gab auch kritische Anmerkungen. In seiner Stellungnahme zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in der ehemaligen DDR im Bereich Biowissenschaften und Medizin vom 5. Juli 1991 gab der Wissenschaftsrat zum IBP u.a. folgende Empfehlung:
„Bei dem Institut für Biochemie der Pflanzen handelt es sich um ein ausgewiesenes Institut von hohem internationalem Ansehen. […] Es nimmt unter den Instituten in der ehemaligen DDR eine herausragende Stellung ein. Angesichts der hervorragenden Tradition in Halle auf dem Gebiet der Pflanzenchemie, wegen der vorteilhaften Lage auf dem Weinberg in Nachbarschaft weiterer wissenschaftlich verwandter Institute der Martin-Luther-Universität, empfiehlt der Wissenschaftsrat die Gründung eines eigenständigen Forschungsinstituts[…]. Der Wissenschaftsrat ist der Ansicht, dass das Institut aufgrund seiner überregionalen Bedeutung und des gesamtstaatlichen wissenschaftspolitischen Interesses die Bedingungen für ein Blaue-Liste-Institut [Anm.: Vorläufer der Leibniz-Gemeinschaft] erfüllt.“