Öffentlichkeitsarbeit
Bedeutender Hallenser Chemiker gestorbenAb sofort zur Veröffentlichung frei - 15.06.2009
Die Zeit seines Direktorats war geprägt durch wirtschaftliche und politische Rah- menbedingungen, die eine Praktizierung erfolgversprechender Forschungsarbeit erheblich erschwerten. Durch staatliche Kontrolle ins Korsett der wirtschaftlichen Nützlichkeit gezwungen, hatten die wissenschaftlichen Institute der DDR einen Balanceakt zwischen freier Wissenschaft und geforderter Staatstreue zu vollführen. Anwendungsorientierte Forschung dominierte die Arbeit am Institut ebenso wie der Kampf um den Titel Kollektiv der sozialistischen Arbeit. Geforscht wurde an Kartoffel und Getreide; gefunden und patentiert wurden etliche pflanzliche und synthetische Substanzen, die der Steigerung der Erträge oder der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung dienlich waren.
Schreiber wurde jedoch nicht müde, den politischen Entscheidungsträgern zu er- klären, dass man Halmstabilisatoren, Herbizide oder Wachstumsregulatoren nur anwenden kann, wenn man ihre Wirkungsweise versteht und demzufolge generelle Kenntnisse über die physiologischen Grundlagen pflanzlicher Wachstums- und Differenzierungsprozesse besitzt. So ist es seinen taktischen Fähigkeiten zu verdan- ken, dass am Institut die Grundlagenforschung nicht zum Erliegen kam, sondern im Gegenteil weiterhin eine wichtige Rolle spielte; sie wurde dem Staat unter dem Decknamen langfristige Vorlaufforschung schmackhaft gemacht.
Als studierter Chemiker sorgte Schreiber zudem für eine stärkere Wichtung der chemischen Projekte im Haus. Die Analysetechnik wurde modernisiert, die Biblio-thek zunehmend auch mit chemischer Fachliteratur ausgestattet und der Anteil an ausgebildeten Chemikern wuchs. Mit dieser Einbeziehung der Naturstoffchemie in das bisher biologisch/pharmazeutisch fokussierte Forschungsgeschehen schärfte Schreiber das Profil des Institutes und gab ihm letztendlich sein Gesicht. Noch heute gelten die enge Verzahnung von biologischen und chemischen Themen und die Nutzung modernster chemischer Analyseverfahren zur Bearbeitung von biologischen Fragestellungen als Alleinstellungsmerkmal des IPB in der deutschen Forschungslandschaft.
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