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Nachwachsende Rohstoffe: Wertvolles kosmetisches Öl bald aus Leinsamen erhältlich? - Wichtiges Gen zur Herstellung von Calendulasäure entdeckt

Ab sofort zur Veröffentlichung frei - 06.12.1999

Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie (IPB), Halle, haben ein Gen aus der Ringelblume isoliert, das für die Herstellung von Calendulasäure wichtig ist. Das Gen ermöglicht die Bildung eines Enzyms, das eine bisher unbekannte Reaktion ermöglicht. Calendulasäure ist ein wichtiger Bestandteil in vielen kosmetischen Pflegeprodukten wie Cremes und Seifen. Mit ihren neuen Ergebnissen haben die Forscher einen entscheidenden Baustein erhalten, der die Herstellung von Calendulasäure in Lein - einer der wichtigsten Ölsaaten in Deutschland - möglich macht. Die Wissenschaftler haben für ihr neues Verfahren ein Patent angemeldet und veröffentlichten ihre Ergebnisse am 03.12.1999 in der internationalen Wissenschaftszeitung FEBS Letters.

Das Öl der Ringelblume (Calendula officinalis) kann aber nicht nur in der Kosmetikindustrie genutzt werden, sondern dient auch als natürlicher Zusatz zum Trocknen von Farben. Es ist biologisch abbaubar und stellt einen umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoff dar. Unter der Leitung von Dr. Ivo Feußner fand die Arbeitsgruppe am IPB nun ein wichtiges Schlüsselenzym und dessen Gen, das den letzten Schritt in der Produktion von Calendulasäure in Ringelblumen ermöglicht. „Für diesen letzten, entscheidenden Syntheseschritt vermuteten wir ein neuartiges Enzym, eine sogenannte Linoleoyldesaturase“, erklärt der Chemiker Dr. Ivo Feußner. Dieses neue Enzym vermittelt eine bislang unbekannte Reaktion. Das Enzym kann in eine langkettige Fettsäure nachträglich eine Doppelbindung einbauen, die mit einer Umlagerung von Molekülgruppen einhergeht. Dadurch wird die Fettsäure in diesem Falle für die kosmetische und industrielle Nutzung wertvoller. „Wir haben das Gen, das für die Bildung dieses bestimmten Enzyms wichtig ist, isoliert und haben es in Hefe eingebracht.“ Die Hefe stellte daraufhin Calendulasäure her. „Ziel unserer Arbeiten ist es nun,“ erläutert Dr. Ivo Feußner „Calendulasäure in Lein zu produzieren.“ Lein enthält nämlich im Gegensatz zu Raps - einer weiteren wichtigen Ölsaat in Deutschland - alle notwendigen Vorstufen zur Produktion von Calendulasäure. „Damit erhalten Landwirte ein neuartiges Saatgut, mit dem sie einen wachsenden Markt beliefern können,“ so Dr. Ivo Feußner.

Kontakt
Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie
Weinberg 3
06120 Halle (Saale)

Sylvia Pieplow
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0) 3 45 - 55 82 11 10
Fax: +49 (0) 3 45 - 55 82 11 19
E-Mail: spieplow@ipb-halle.de


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